Neurodermitis

Neurodermitis verstehen und die Haut gezielt unterstützen

Neurodermitis ist eine chronische, nicht ansteckende Hauterkrankung. Trockene, gerötete Haut, starker Juckreiz und wiederkehrende Schübe sind Kennzeichen der Erkrankung und können das Wohlbefinden spürbar beeinträchtigen. Im Fokus steht eine Störung der Hautbarriere. Ein gutes Verständnis der Erkrankung hilft dabei, Auslöser besser einzuordnen und die passende Behandlung zu finden.

Auf einen Blick: Neurodermitis

  • Neurodermitis, atopische Dermatitis oder atopisches Ekzem genannt, ist eine chronisch-entzündliche, nicht ansteckende Hauterkrankung.
  • Typische Anzeichen sind trockene, gerötete und ekzematöse Hautstellen sowie quälender Juckreiz.
  • Die Erkrankung beginnt häufig im Säuglings- oder Kindesalter und verläuft in Schüben.
  • Die Ursachen sind noch nicht vollständig erforscht. Genetische Faktoren, d.h. die erbliche Veranlagung, spielen bei der Entstehung der Neurodermitis eine wichtige Rolle.
  • Basis der Behandlung ist eine gute Pflege, auch in schubfreien Intervallen, und das Meiden auslösender Faktoren.

Was ist Neurodermitis? Ursachen und erste Anzeichen

Neurodermitis, auch atopische Dermatitis oder atopisches Ekzem genannt, ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung. Ihre Ursachen sind komplex und bis heute nicht vollständig geklärt. Als gesichert gilt, dass genetische Faktoren eine wichtige Rolle spielen. Das Risiko ist erhöht, wenn in der Familie bereits Neurodermitis, Asthma oder Heuschnupfen vorkommen. In Deutschland liegt die Häufigkeit bei Kindern derzeit bei etwa 12 bis 15 %.

Im Mittelpunkt der Erkrankung steht nach heutigem Verständnis eine gestörte Hautbarriere. Sie lässt sich wie eine Mauer vorstellen, deren „Mörtel“ an manchen Stellen fehlt. Bestimmte Fette und Eiweißbausteine sind nicht in ausreichender Menge vorhanden. Dadurch verliert die Haut vermehrt Feuchtigkeit, trocknet schneller aus und reagiert empfindlicher auf äußere Reize. Gleichzeitig können Allergene und Keime leichter eindringen und Beschwerden wie Juckreiz zusätzlich fördern.

Erste Anzeichen sind häufig sehr trockene Haut, gerötete und juckende Hautstellen sowie eine Haut, die schnell auf Reize reagiert. Typisch für Neurodermitis sind der oft quälende Juckreiz und die wiederkehrenden Ekzeme.

Was sind schubauslösende Faktoren?

Ursachen und Auslöser der Erkrankung sind nicht dasselbe und müssen deutlich voneinander unterschieden werden. Auslöser sind individuelle Reize, die einen akuten Schub auslösen. Weil die Hautbarriere geschwächt ist, können diese leichter in die Haut eindringen und die entsprechenden Reaktionen hervorrufen. Bei Neurodermitis reagiert die Haut auf diese auslösenden Reize sensibler als dies bei Personen ohne Neurodermitis der Fall wäre.

Zu den häufigsten schubauslösenden Faktoren zählen:

  • Pollen
  • Hausstaubmilben
  • bestimmte Nahrungsmittel
  • reizende oder scheuernde Textilien
  • Infekte, vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern
  • Stress beim Kind und im direkten Umfeld
  • trockene Luft, Hitze oder starke Kälte
  • aggressive Reinigungs- oder Pflegeprodukte

Wichtig ist: Nicht jeder Auslöser spielt bei jedem Menschen dieselbe Rolle. Umso hilfreicher ist es, die eigene Haut aufmerksam zu beobachten und wiederkehrende Muster zu erkennen. So lässt sich die Pflege gezielter anpassen und die Haut im Alltag besser entlasten.

Woran erkennt man Neurodermitis?Die wichtigsten Symptome im Überblick

Neurodermitis zeigt sich nicht immer gleich. Im schubfreien Intervall ist die Haut oft vor allem sehr trocken, bei stärker ausgeprägter Neurodermitis kann sie zusätzlich schuppig und besonders empfindlich sein. Ursache dafür ist die gestörte Hautbarriere, durch die die Haut vermehrt Feuchtigkeit verliert und schneller auf äußere Reize reagiert.

In akuten Schüben treten häufig stark gerötete, gereizte und ekzematöse Hautstellen auf, begleitet von intensivem Juckreiz. Dieser kann das Wohlbefinden spürbar beeinträchtigen und vor allem nachts den Schlaf stark belasten. Je nach Ausprägung reichen die Beschwerden von milderen Verläufen mit trockener Haut und leichter Ekzembildung bis hin zu extrem trockener Haut mit ausgeprägter Ekzembildung, die den Alltag, die Schule oder den Beruf deutlich einschränken können.

Das Erscheinungsbild von Neurodermitis kann je nach Alter unterschiedlich sein. Typische Anzeichen sind:

Bei Säuglingen und Kleinkindern (bis 2 Jahren):

  • gerötete, nässende oder schuppende Ekzeme
  • häufig im Gesicht, auf der Kopfhaut sowie den Streckseiten von Armen und Beinen

Bei Kindern:

  • besonders häufig entzündete, juckende Hautveränderungen in den Gelenkbeugen von Armen und Beinen, sogenanntes Beugeekzem
  • zusätzlich oft im Nacken sowie an den Fußgelenken

Bei Jugendlichen und Erwachsenen:

  • trockene, gereizte und stark juckende Ekzeme
  • häufig an den Gelenkbeugen, im Gesicht, am Hals, im Nacken sowie an Fuß- und an Handgelenken
  • zum Teil auch Krusten, Knötchen oder nässende Bereiche

Da andere Hauterkrankungen ähnlich aussehen können, sollte die Diagnose ärztlich gestellt werden.

Was ist der Juckreiz-Kratz-Kreislauf bei Neurodermitis?

Gerade der Juckreiz macht Neurodermitis so belastend. Wird gekratzt, schwächt dies die Hautbarriere zusätzlich. Dadurch kann sich die Haut leichter entzünden, der Juckreiz nimmt zu und neues Kratzen wird wahrscheinlicher. Dieser Juck-Kratz-Kreislauf kann die Beschwerden verstärken und die Haut zusätzlich belasten. Außerdem können aufgekratzte oder nässende Stellen Eintrittspforten für Keime sein.

Der Juck-Kratz-Kreislauf beschreibt den selbstverstärkenden Teufelskreis aus Juckreiz und Kratzen, in dem sich viele Neurodermitis-Patienten befinden. Das Kratzen verschafft oft nur kurz Erleichterung, schädigt die Hautbarriere aber zusätzlich und erleichtert so das Eindringen von Faktoren, die wiederum Juckreiz auslösen. Außerdem können über das Kratzen Keime und Verunreinigungen in die Haut gelangen und Entzündungen zur Folge haben.

So läuft der Kreislauf typischerweise ab:

  • Gestörte Hautbarriere: Die Haut ist trocken, empfindlich und durchlässiger für Reizstoffe.
  • Juckreiz: Reize dringen leichter ein und lösen Juckreiz aus.
  • Kratzen: Kratzen verschafft kurzfristig Erleichterung, schädigt aber die Haut zusätzlich.
  • Entzündung und Reizung: Die geschädigte Hautbarriere erleichtert Entzündungen und Irritationen.
  • Verstärkter Juckreiz: Entzündung, Trockenheit und Reizung verstärken den Juckreiz – der Kreislauf beginnt von vorn.

Den Juck-Kratz-Kreislauf zu durchbrechen ist ein zentrales Ziel der Pflege bei Neurodermitis. Eine konsequente Basispflege, die die Hautbarriere stärkt und die Haut mit Feuchtigkeit versorgt, hilft, den Juckreiz zu lindern.

Wie wird Neurodermitis behandelt?

Die tägliche Hautpflege ist das Fundament jeder Neurodermitis-Behandlung. Sie versorgt die trockene Haut mit Feuchtigkeit, stärkt die Hautbarriere und hilft, Juckreiz und das Risiko für neue Schübe zu reduzieren. Eine konsequente Pflege ist auch dann wichtig, wenn die Haut medikamentös behandelt wird.

Die richtige Basispflege

Unabhängig von Schub oder Ausprägung ist die konsequente Basispflege die Grundlage. Sie versorgt die Haut mit Feuchtigkeit und Lipiden, gleicht den gestörten Wasser-Fett-Haushalt aus und stärkt so die Schutzbarriere. Das reduziert Trockenheit und Juckreiz und beugt neuen Schüben vor.

Pflege im akuten Schub

Im akuten Schub ist die Haut besonders empfindlich. Wichtig ist eine Pflege, die die Hautbarriere wieder aufbaut und die Regeneration fördert. Auf reizende oder stark parfümierte Produkte sollte verzichtet werden. Eine ärztlich verordnete medikamentöse Therapie kann ergänzend nötig sein.

Pflege im schubfreien Intervall

Auch nach Abklingen eines Schubs sollte die Pflege konsequent fortgeführt werden, denn der Hautbarrieredefekt führt auch im schubfreien Intervall dazu, dass die Haut trocken ist. Eine durchgehende Basispflege stabilisiert die Hautbarriere, versorgt die Haut mit Feuchtigkeit, hält die Haut geschmeidig und kann helfen, den Abstand bis zum nächsten Schub zu verlängern.

Kinder sind häufiger betroffen als Erwachsene

Neurodermitis tritt im Kindesalter deutlich häufiger auf als bei Erwachsenen. Während nur etwa 4 % der Erwachsenen in Deutschland an Neurodermitis erkrankt sind, liegt die Häufigkeit, an Neurodermitis zu erkranken, bei Kindern zwischen 12 und 15 %. Bei 50 % der Betroffenen treten erste Symptome im ersten Lebensjahr auf. Neugeborene, bei denen mindestens ein Elternteil an Neurodermitis, Heuschnupfen oder einer anderen atopischen Erkrankung leidet, gelten als besonders gefährdet, an Neurodermitis zu erkranken.

Bei Säuglingen äußert sie sich oft als sogenannter Milchschorf – verkrustete, schuppige Hautstellen, vor allem auf der Kopfhaut. Doch nicht jeder Säugling mit Milchschorf entwickelt tatsächlich eine Neurodermitis. Nicht zu verwechseln ist der Milchschorf mit dem talgigen, gelblichen Kopfgneis, der bei Säuglingen häufig auftritt und von alleine wieder verschwindet.

Die gute Nachricht: Bei mehr als der Hälfte der betroffenen Kinder bessern sich die Symptome bis zum jungen Erwachsenenalter oder verschwinden ganz.

Alltag mit Neurodermitis

Tipps für die Pflege bei Neurodermitis

Bei Neurodermitis ist die tägliche Pflege ein wichtiger Teil der Behandlung. Ziel ist es, die Hautbarriere zu stärken, Feuchtigkeit zu bewahren und Reizungen möglichst gering zu halten.

Basispflege im Alltag

  • Die Haut wird durch tägliche Hautpflege intakt und geschmeidig gehalten.
  • Kurze Nägel reduzieren Hautschäden beim (unbewussten) Kratzen.

Ruhe und Gelassenheit

  • Stress kann Schübe begünstigen und sollte, wenn möglich, reduziert werden.
  • Gerade bei Kindern ist es wichtig, Sicherheit und Normalität zu vermitteln.

Schlafen

  • Eine kühle Schlafumgebung kann helfen, die Haut weniger zu reizen.
  • Wärme- und Schweißstau sollten möglichst vermieden werden.

Kleidung

  • Weiche, hautfreundliche Materialien wie Baumwolle sind oft gut geeignet.
  • Auch reizfreie Waschmittel und möglichst wenig Zusatzstoffe können die Haut entlasten.

Baden und Waschen

  • Lieber kurz und lauwarm duschen oder baden.
  • Milde, rückfettende Reinigungsprodukte helfen, die Haut nicht zusätzlich auszutrocknen.
  • Nach dem Waschen die Haut sanft trocken tupfen und direkt pflegen.

Bei starkem, anhaltendem Juckreiz sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.

Häufige Fragen zu Neurodermitis

Nein. Neurodermitis ist eine chronische, nicht ansteckende Hauterkrankung. Sie wird nicht durch Erreger übertragen, vielmehr scheint die genetische Veranlagung bei der Entstehung der Neurodermitis eine wichtige Rolle zu spielen.
Indem man den Grund für den verstärkt aufkommenden Juckreiz erkennt und diesen möglichst gut meidet. Zusätzlich stärkt eine konsequente Basispflege die Hautbarriere und versorgt die Haut mit Feuchtigkeit und Lipiden. Dieser Pflegeeffekt hilft, dass der Juckreiz nachlässt und der Drang zum Kratzen sinkt. Kühle Umschläge helfen hierbei zusätzlich. Bei starkem Juckreiz sollte ein Arzt hinzugezogen werden.
Bei vielen Kindern bessert sich Neurodermitis im Lauf der Zeit. Bei mehr als der Hälfte der betroffenen Kinder verschwinden die Symptome bis zum jungen Erwachsenenalter oder lassen deutlich nach. Eine Garantie gibt es jedoch nicht; die Erkrankung kann auch im Erwachsenenalter bestehen bleiben oder wiederkehren.